Die Geschichte von C'est Bohn

Kaffee trinke ich schon seit ich denken kann. Wer in meiner Kindheit von Kaffee sprach, meinte allerdings Malzkaffee. In einem bäuerlichen Haushalt war Bohnenkaffee eine Seltenheit, die man sich nur sonntags gönnte. Heute ist Kaffee nach Erdöl die zweitwichtigste Rohhandelsware. Für mich ist und bleibt die Kaffeebohne eine wertvolle Besonderheit, die den menschlichen Kreislauf anzuregen vermag, sich selbst aber erst in der Langsamkeit so richtig entfaltet. 

 

Vor gut zwanzig Jahren musste ich wegen starker Magenschmerzen meinen täglichen Kaffeekonsum erst reduzieren und schließlich völlig einstellen. Die Chlorogensäure, die vermehrt in Robusta-Bohnen zu finden ist, schlug mir buchstäblich auf den Magen. 2009 wurde ich dann durch einen Zeitungsartikel auf ein Wiener Kaffeeinstitut aufmerksam. Da Kaffee ein wesentlicher Bestandteil der Gastronomie ist und ich u.a. die Gastro-Schüler*innen unterrichtete, lud ich den damaligen Leiter des Instituts, Prof. Leopold Edelbauer, nach Oberösterreich ein, um die Schüler*innen der LWBFS Andorf im Kaffeerösten zu schulen. Als Prof. Edelbauer im Zuge des Kurses meine persönliche Geschichte mit der Kaffeebohne hörte, war er keineswegs überrascht. Viele Menschen reagieren empfindlich auf Chlorogensäure und zu hohe Koffeeinwerte, meinte er. Er versprach mir zuversichtlich, dass ich bis zum Ende der Kurswoche wieder Kaffee trinken würde. Tatsächlich trank ich nach zwei Tagen wieder meine gewohnten drei Tassen am Tag, allerdings nur noch aus sorgsam ausgewählten Bohnen. Ich kaufte mir unmittelbar nach dem Kurs meinen ersten Handröster und begann, mir meinen eigenen Kaffee zu rösten. 

 

Von einer Kennerin zur Röstmeisterin 

 

In den darauffolgenden Jahren absolvierte ich diverse Kurse im Kaffeeinstitut in Wien (angefangen bei der Kaffeeexpertin über Kaffeesommeliere hin zur Chef-Diplom- Kaffeesommeliere). Ich begann mich auch ehrenamtlich für das Institut zu engagieren und holte die Ausbildung zum/zur Kaffeekenner*in an die Schule. Nebenbei baute ich meine eigene Rösterei auf. 2015 wurde C'est Bohn ins Leben gerufen, 2017 wurde ich mit dem Qualitätsröster-Siegel ausgezeichnet. Über die Jahre habe ich mir im Einkauf der Rohbohnen einen exklusiven Zugang zu auserlesenen Kaffeesorten verschafft. Eine gute Beziehung zu meinen Händler*innen in Hamburg aufrechtzuerhalten und die Arbeitsbedingungen für die Erzeuger*innen nach und nach zu verbessern, liegt mir sehr am Herzen. Eines Tages direkt ab Hof einzukaufen, ist mein Traum. 

 

Qualität braucht ihre Zeit, guter Kaffee auch! 

 

Aus eigener Erfahrung weiß ich, welchen Unterschied die Auswahl der richtigen Bohnen bzw. die Art der Röstung für Gesundheit und Wohlbefinden macht. Bei meinem Kaffee achte ich deshalb besonders auf einen langsamen und schonenden Röstvorgang. Und das schmeckt man auch! Bei der „Wiener Röstung" entfaltet der Kaffee sein volles Aroma. Zugleich ist er bekömmlich und gesundheitlich gut verträglich. Bereits im Jahre 1685 wurde im Buch "Bevandas Asiatica" von Ferdinando Marsigli die "Wiener Kaffeeröstfarbe Goldbraun" beschrieben. Dieser braune Farbton ergibt sich durch ein spezielles handwerkliches Röstverfahren von Arabica-Bohnen und wird auch als "Wiener Röstung" bezeichnet. Es dauert etwa 20 Minuten, bis das Aroma und die feinen Kaffeesäuren freigesetzt werden und Chlorogensäure abgebaut wird (zum Vergleich: eine Kaffeepflanze blüht erst nach 3-5 Jahren zum ersten Mal!). Dieser Vorgang ist für mich immer wieder ein Erlebnis - wenn nach 10 Minuten das erste Knacken zu hören ist, die Braunfärbung beginnt und sich ein intensiver Kaffeegeruch zu entfalten beginnt. Es ist ein Geruch, der mittlerweile die Straße und Nachbarschaft prägt, und Lebensqualität vermittelt. 

 

Kaffeewissen 

 

Meine Erfahrungen und mein Wissen über diese wertvolle Bohne an andere weiterzugeben ist mir wichtig. Vorträge und Kaffeeverkostungen können gerne persönlich, telefonisch oder über E-Mail gebucht werden. 


Rösterei & Zubereitungsmethoden